Wie kleidet man sich bei extremer Kälte?
Ein frischer Morgen in den Niederlanden ist eine Sache. Ein Tag bei minus zwanzig Grad in Lappland oder ein scharfer Wind auf einem norwegischen Bergrücken ist etwas ganz anderes. Dann merkt man sofort, ob man richtig angezogen ist oder nicht.
Die gute Nachricht: Bei extremer Kälte warm zu bleiben ist keine Frage davon, so viele Pullover wie möglich anzuziehen. Es geht um die richtigen Schichten, darum, trocken zu bleiben und den Wind abzuhalten.
Was ist extreme Kälte eigentlich?
Es gibt keine feste Grenze, aber sobald es deutlich unter null ist und Wind weht, wird die Kälte ernst. Die Temperatur auf dem Thermometer erzählt dann nur die halbe Wahrheit.
Wind lässt es deutlich kälter wirken, als es ist. Deshalb sprechen Wetterberichte oft von der gefühlten Temperatur. Bei minus zehn Grad und einem strammen Wind kann es sich wie minus zwanzig oder kälter anfühlen.

Das Geheimnis: Schichten
Die beste Methode, sich bei extremer Kälte zu kleiden, ist das Zwiebelprinzip (Schichten). Zwischen jeder Schicht bleibt ein wenig Luft hängen, und diese Luft hält dich warm. Außerdem kannst du Schichten an- oder ausziehen, wenn dir zu warm oder zu kalt wird.
Meist arbeitet man mit drei Schichten: einer Basisschicht direkt auf der Haut, einer warmen Mittelschicht und einer Außenschicht, die Wind und Wasser abhält. Bei extremer Kälte kannst du die Mittelschicht ruhig doppelt tragen.
Die Basisschicht
Diese Schicht liegt direkt auf der Haut und hat eine wichtige Aufgabe: Feuchtigkeit abtransportieren. Auch bei Kälte schwitzt man, besonders beim Wandern oder Skifahren. Bleibt dieser Schweiß auf der Haut, kühlst du schnell aus.
Wähle also eine Basisschicht, die Feuchtigkeit ableitet und eng anliegt, ohne zu drücken. Lass Baumwolle zu Hause. Sie nimmt Feuchtigkeit auf, bleibt nass und fühlt sich danach kalt an.
Die Mittelschicht
Die Mittelschicht sorgt für Isolierung. Denke an Fleece, eine Daunenjacke oder eine wattierte Weste. Zwei dünnere Mittelschichten funktionieren oft besser als eine dicke, weil du so flexibler reagieren kannst.

Die Außenschicht
Die Außenschicht schützt dich vor Wind, Schnee und Regen. Bei extremer Kälte ist besonders die Winddichtigkeit wichtig. Eine gute Jacke mit Kapuze, hohem Kragen und gut abschließenden Ärmelbündchen hält die Kälte buchstäblich draußen.


Hände, Füße und Kopf
Bei Kälte leitet dein Körper warmes Blut vor allem zu deinem Rumpf. Dadurch kühlen deine Hände, Füße und dein Gesicht zuerst ab. Gerade diese Stellen verdienen besondere Aufmerksamkeit.
Für die Hände sind Fäustlinge oft wärmer als Fingerhandschuhe, da sich deine Finger gegenseitig warm halten. Wenn du Halt brauchst, zum Beispiel für Skistöcke oder einen Lenker, wähle gut isolierte Handschuhe. Beheizbare Handschuhe liefern zusätzliche Wärme, wenn Isolierung allein nicht ausreicht.
Für deine Füße sind warme Socken wichtig, aber sie dürfen nicht einengen. Zu enge Schuhe hemmen die Durchblutung, und dann frierst du schneller. Eine Mütze, ein Schlauchschal oder eine Sturmhaube machen das Set komplett.

Schütze dein Gesicht
Dein Gesicht ist bei extremer Kälte oft das Einzige, was noch unbedeckt ist. Wangen, Nase und Ohren kühlen schnell ab, besonders im Wind. Ein Schlauchschal oder eine Sturmhaube, die du über die Nase ziehen kannst, hilft enorm.
In den Bergen oder auf offenen Ebenen ist eine Skibrille ebenfalls praktisch. Sie schützt deine Augen vor Wind, Schnee und hellem Licht. Vergiss auch deine Lippen nicht: Ein Lippenbalsam verhindert, dass sie austrocknen und aufreißen.

Feuchtigkeit ist dein größter Feind
Bei extremer Kälte ist Nasswerden das größte Risiko. Das kann durch Schnee geschehen, aber auch durch deinen eigenen Schweiß. Eine nasse Schicht verliert einen Großteil ihrer isolierenden Wirkung.
Wenn du dich stark bewegst, ziehe eine Schicht aus, bevor du schwitzt. Öffne einen Reißverschluss zur Belüftung. Und sobald du anhältst, ziehe sofort eine zusätzliche Schicht an, bevor du auskühlst.
Mehr Schichten sind nicht immer besser
Es ist verlockend, alles anzuziehen, was man hat. Aber zu viele Schichten können deine Bewegungsfreiheit einschränken und einengen. Dann gelangt weniger warmes Blut in deine Hände und Füße, und dir wird erst recht kalt.
Sorge dafür, dass jede Schicht eine klare Aufgabe hat und dass alles gut übereinander passt. Lieber drei gute Schichten als fünf, die sich gegenseitig im Weg stehen.
Von drinnen nach draußen
Gehst du zwischendurch kurz hinein, zum Beispiel in eine Berghütte oder ein Café? Öffne dann deine Jacke oder ziehe eine Schicht aus. So kommst du in der Wärme nicht ins Schwitzen und gehst später trocken wieder hinaus in die Kälte.

Achte auf die Signale
Zittern ist ein Zeichen, dass deinem Körper kalt ist. Wenn sich deine Finger, Zehen oder Wangen gefühllos oder weiß anfühlen, gehe hinein oder suche Schutz und wärme dich langsam wieder auf. Nimm Kälte ernst und zögere den Rückzug ins Warme nicht zu lange hinaus.

Häufig gestellte Fragen
Ist Baumwolle bei Kälte wirklich so schlecht?
Als erste Schicht ja. Baumwolle speichert Feuchtigkeit und trocknet langsam. Dadurch frierst du schnell, besonders wenn du dich nach der Anstrengung nicht mehr bewegst.
Woher weiß ich, ob ich zu warm angezogen bin?
Wenn du beim Bewegen zu schwitzen anfängst. Dann ist es Zeit, eine Schicht auszuziehen oder einen Reißverschluss zu öffnen. Wenn dir beim Aufbruch leicht frisch ist, ist das meist genau richtig.
Hilft ein warmes Getränk gegen die Kälte?
Ein warmes Getränk tut gut und hilft beim Aufwärmen. Für längere Zeit im Freien ist gute Kleidung wichtiger, aber eine Thermoskanne mit Tee oder Brühe macht einen kalten Tag ein Stück angenehmer.
Fäustlinge oder Fingerhandschuhe bei extremer Kälte?
Fäustlinge sind wärmer, Fingerhandschuhe bieten mehr Halt. Beheizbare Handschuhe kombinieren Griff mit zusätzlicher Wärme, was nützlich ist, wenn du viel mit den Händen arbeitest.
Zum Schluss
Extreme Kälte erfordert eine intelligente Strategie, nicht die dickste Jacke. Trage Schichten, bleib trocken, halte den Wind ab und schenke deinen Händen, Füßen und deinem Kopf die Aufmerksamkeit, die sie brauchen.
So kannst du auch an den kältesten Tagen alles genießen, was der Winter zu bieten hat.